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Tatort Forscherlabor, Themenstation 9: Archäometallurgie
gediegenes Kupfer zu benutzen. Vor 7 000 Jahren verhütteten sie
die ersten Erze. Im Laufe der Zeit entwickelten sie immer ausgereiftere
Techniken für die Gewinnung und Herstellung von Kupfer
und Bronze, Eisen und Blei, Messing, Gold und Silber.
Archäologen, Werkstoffkundlerinnen, Geowissenschaftler und
Chemikerinnen untersuchen Metallgegenstände vergangener Zeiten.
Sie vermessen auch Erzminen, untersuchen Schmelz- und Schmiedeplätze
und kratzen kleinste Schlacke- oder Metallreste aus Schmelztiegeln
heraus. Im Labor erarbeiten sie daraus Hinweise auf Abbau-,
Schmelz- und Schmiedetechniken. Sie erforschen die Herkunft
von Erzen und ermitteln damit, wie die frühe Wirtschaftsgeschichte
sich entwickelt hat.
Wie hat man ihn gemacht? Woher
stammt das Metall?
Beispiel die ICP-OES (inductively
coupled plasma optical emission
spectrometry), ermitteln die
Zusammensetzung des Metalls.
Blick in den Aufbau des Objektes.
man Spuren der Herstellung.
und der Bleiisotope geben Hinweise
auf die Herkunft des Metalls.
und ein wahrscheinlicher Herkunftsort
des Metalls ermittelt.
Die Erbauer der Gräber von Warburg benutzten
Geräte und Werkzeuge aus Stein, Holz oder Knochen.
Sie kannten auch Kupfer, das erste Metall, das die
Menschen benutzten. Den leicht zu verarbeitenden
Rohstoff verwendeten sie für Schmuck. Heute sind im
näheren Umfeld von Warburg Kupfererz-Lagerstätten
bekannt. Bisher gibt es aber keine Hinweise darauf,
dass man diese bereits zwischen 3400 und 2700 v. Chr.
nutzte.
ist eine kleine Sensation, denn so alte Kupfergegenstände sind in
Westfalen selten.
aus Grab I sind grüne Verfärbungen zu sehen. Sie stammen von nicht
mehr erhaltenen Kupfergegenständen – wahrscheinlich
Schmuckstücken der Toten.
Kupfer mit sehr geringen Anteilen an Spurenelementen besteht.
Die Menschen hatten also in der Natur vorkommendes Reinkupfer
verwendet. Legieren, also das Mischen von Metallen, beherrschten
sie noch nicht.
Mit dem Atomabsorptions-Verfahren kann man seit
den 1960er Jahren die chemische Zusammensetzung
von Materialien bestimmen. Der Wissenschaftler löst
die Materialprobe in einer Flüssigkeit auf und verdampft
sie. Auf diesen Dampf richtet er eine spezielle
Lampe. Jedes Element in der Probe schluckt eine
bestimmte Strahlenwellenlänge und kann daran
erkannt werden. Man misst, wie viel Strahlung einer
bestimmten Wellenlänge nach dem Durchdringen der
Probe fehlt, also wie viel absorbiert wurde. Aus der
Differenz kann man Art und Anteil des Elementes in
der Probe berechnen. Jedes in der Probe vermutete
Element muss mit einer eigenen Lampe identifiziert
werden. Das Atomabsorptions-Verfahren liefert
extrem genaue Ergebnisse.
wurde mit dem Atomabsorptions-Verfahren untersucht. Das Ergebnis:
Er besteht aus Messing, bei dem Kupfer und Zink in einem bestimmten
Verhältnis gemischt sind. Diese spezielle Legierung gibt es in Westfalen
seit der Römerzeit. Auch ein so genanntes Orakelstäbchen
(Soest, 1. bis 6. Jahrhundert n. Chr.) wurde mit diesem Verfahren
untersucht. Es besteht aus einer Kupferlegierung, die in den ersten
Jahrhunderten nach Christi Geburt sehr gebräuchlich war.
Die Bleierze der meisten Lagerstätten unterscheiden
sich durch ihren Gehalt an natürlichen (stabilen)
Bleiisotopen. Bei der Verhüttung und Verarbeitung
der Erze bleiben diese Isotopenverhältnisse erhalten.
Außerdem ist Blei als Zusatz oder Verunreinigung
in fast allen alten Metallobjekten enthalten. Daher
kann durch den Vergleich ihrer Isotopenverhältnisse
mit denen von Erz in Lagerstätten die Herkunft des
verarbeiteten Bleierzes bestimmt werden. Manche
Erzlagerstätten haben sehr ähnliche Isotopenverhältnisse.
Dann versucht man sie anhand der Zusammensetzung
der Spurenelemente zu unterscheiden. Die
Bleiisotopen-Analyse ermittelt die Herkunft von Erzen
nie eindeutig. Wenn Wissenschaftler über ausreichend
Daten verfügen, können sie aber Wahrscheinlichkeiten
formulieren.
und 2. Jahrhundert n. Chr. Die oft unförmigen Gussreste belegen eine
Verarbeitung des Metalls vor Ort. Diese Stücke stammen sehr wahrscheinlich
aus dem Raum Brilon.
Bleierzvorkommen. Die Form wird häufig als Bleibarren bezeichnet.
Die kleinen Löcher sind Beschädigungsspuren von der Probenentnahme.
Der Archäometallurge bohrt aus Bleiobjekten Späne
heraus und löst sie in Salzsäure auf. Eine geringe
Menge der in Bleichlorid umgewandelten Proben
dampft er auf einen Probenträger auf. Er erhitzt die
Probe im Massenspektrometer auf 1200 bis 1300 Grad
Celsius. Das Blei darin verdampft und wird in einem
starken elektromagnetischen Feld beschleunigt. Je
nach ihren Massen werden die einzelnen Bleiatome
verschieden stark abgelenkt und von speziellen Detektoren
erfasst. Ein an das Massenspektrometer angeschlossener
Computer errechnet das Verhältnis der
unterschiedlichen Bleiisotope zueinander. Jede Lagerstätte
weist ein bestimmtes Muster der Bleiisotopen
auf. Wenn die Daten aus den Objektproben mit denen
aus einer Lagerstätte übereinstimmen, stammt das Erz
wahrscheinlich aus dieser Quelle. Archäologen haben
an verschiedenen Stellen Westfalens Objekte aus Blei
aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. gefunden. Stollen oder
Halden von Bleierzbergwerken aus dieser Zeit sind im
Sauerland bislang nicht bekannt. Die Untersuchungsergebnisse
der Bleiisotopen von Fundstücken und von
Erzen aus Lagerstätten führen zu dem Schluss, dass
einige Funde wahrscheinlich aus Lagerstätten in Brilon
stammen.
Dieses Diagramm stellt das Verhältnis der Bleiisotope zueinander
von verschiedenen beprobten Bleiobjekten grafisch dar.
Tatort Forscherlabor, Themenstation 7: DENDROCHRONOLOGIE
DENDROCHRONOLOGIE – DIE HÖLZERNE FESTPLATTE
Mit der Baumringdatierung, der so genannten dendrochronologischen Methode, bestimmen Biologen das Alter von Hölzern. Bäume bilden unter ihrer Rinde in jedem Jahr eine neue Schicht Holz, den Jahrring. Bäume gleicher Art in derselben Gegend produzieren ähnlich breite Jahrringe. Wie dick ein Ring wird, hängt vom jeweiligen Klima und vom Standort ab. Biologen messen die Dicke der Ringe und stellen die Schwankungen als Kurve dar. Indem sie Kurven vergleichen und Abschnitte mit gleichem Muster übereinander legen, erstellen sie für jede Baumart einen Jahrringkalender. Wird auf einer Ausgrabung Holz gefunden und stimmt dessen Jahrringkurve mit einem Abschnitt aus dem Jahrringkalender überein, können sie das Alter des Fundes bestimmen. Ist auch die Rinde erhalten, wissen sie sogar das genaue Jahr, in dem der Baum gefällt wurde.
Bei Ausgrabungen finden Archäologen manchmal Holz, häufig kleine Stücke...
... manchmal aber auch ganze Baumstämme.
Der Dendrochronologe schneidet die Probe zurecht ...
... reinigt und präpariert sie. Er bestimmt die Holzart ... ... und misst die Breite der Jahrringe. Ein Computerprogramm errechnet aus den Messwerten eine Kurve und vergleicht sie mit dem Jahrringkalender. Der Dendrochronologe überprüft die Ergebnisse am Leuchttisch und entscheidet endgültig über das Alter des Fundes.
DER BRUNNEN VON ANREPPEN
Im Römerlager Anreppen haben Archäologen einen Kastenbrunnen aus bearbeiteten Eichenstämmen gefunden. Wissenschaftlerinnen untersuchten mehrere Hölzer davon. Das Ergebnis ist eindeutig: Alle Bäume sind im Jahr 5 n. Chr. gefällt worden. Da die Hölzer alle gleich alt sind und die Römer das Holz frisch verwendeten, wurde der Brunnen wahrscheinlich in diesem Jahr gebaut. Dieses Ergebnis ist auch für Historiker wichtig: Der römische Geschichtsschreiber Velleius Paterculus berichtet, dass Tiberius, der spätere römische Kaiser, im Frühjahr des Jahres 5 n. Chr. an der Lippequelle ein Lager errichtete. Eben dieses Lager wurde von Archäologen in Anreppen entdeckt.
Brett des römischen Kastenbrunnens (Delbrück-Anreppen, 5 n. Chr.) Jahrringkurve des Holzes aus Anreppen über einer Jahrringkurve von 110 v.Chr. bis 5 n. Chr.
Fall Warburg
OHNE HOLZ KEIN DATUM
Neben den aus Stein gebauten Gräbern entdeckten Archäologen in Warburg auch Spuren eines Baus aus Holz. Von den Balken waren aber nur noch Verfärbungen im Boden erhalten – das Holz selbst war verrottet. Eine dendrochronologische Untersuchung war daher nicht möglich.
Bei der Ausgrabung legten die Archäologen die Reste des Holzbaus und seiner Steinverkleidung frei. Rekonstruktion des Holzkammergrabs
Tatort Forscherlabor, Themenstation 6: ARCHÄOLOGISCH-HISTORISCHE METHODE
EIN ZEITGERÜST FÜR ARCHÄOLOGEN
Vor 5000 Jahren begannen die Menschen, zuerst im Vorderen Orient, über Ereignisse und Personen zu schreiben. Manches aus diesen Nachrichten kann mit antiken Systemen der Zeitrechnung verknüpft und in unsere Zeitrechnung übertragen werden. Dadurch verfügen Forscher über ein Gerüst von geschichtlichen Daten. Bestimmte archäologische Objekte können mit alten Schriften verbunden und daher in dieses Zeitgerüst eingehängt werden. Ein so datierter Fund gibt damit auch einen Anhaltspunkt für die zeitliche Einordnung von anderen Objekten, die mit ihm zusammen gefunden wurden oder die ihm gleichen. Die direkte und indirekte Datierung von Funden mit Hilfe von Schriftquellen wird als „archäologisch-historische Methode“ bezeichnet.
In der Landschaft liegt eine alte Burganlage.
Archäologen graben die Burg aus.
Eine Archäologin zeichnet einen Plan von den Mauerresten.
Anhand des Planes rekonstruiert sie den Burgturm auf dem Papier.
Die Archäologin sucht in Büchern nach vergleichbaren Burgen. Sie liest auch alte Schriften, um herauszufinden, wem die Burg früher gehörte und wie sie hieß.
In den alten Schriften findet die Archäologin Abbildungen und Texte zu der Burg. Sie weiß nun, dass die Burganlage von der Ausgrabung die Burg Lipperode ist.
Die Archäologin gibt die Ergebnisse der archäologisch-historischen Untersuchung in den Computer ein.
ZEITKAPSEL GRAB
Diese Beigaben eines reich ausgestatteten Kriegergrabes verglichen Archäologen mit denen aus anderen Bestattungen. Münzen datierten diese Gräber in die Zeit zwischen 565 und 580/90. Auf Grund der ähnlichen Beigaben gehen die Archäologen davon aus, dass das Grab von Beckum gleich alt ist. Die nach 538 geprägte Münze darin war circa 30 Jahre benutzt worden, bevor sie dort hinein gelangte.
Beigaben des Kriegergrabes (Beckum, 2. Hälfte 6. Jahrhundert)
Goldmünze aus dem Kriegergrab (Beckum, nach 538)
So könnte der Krieger von Beckum im Leben ausgesehen haben.
Fall Warburg
SCHRIFTLOSE ZEITEN
Das Grab I von Warburg konnte weder direkt noch indirekt mit einer schriftlichen Überlieferung verknüpft und auf diese Weise datiert werden. Anders als bei den frühen Hochkulturen Süd-Mesopotamiens benutzten Menschen im Raum Warburg vor 5000 Jahren noch keine Schriftzeichen.
In den Städten der frühen Hochkulturen Süd-Mesopotamiens, zum Beispiel in Uruk, entwickelten die Menschen vor etwa 5100 Jahren die erste Schrift.
ANTHROPOLOGIE – KEINE KNOCHENTROCKENE WISSENSCHAFT
Knochen und Zähne sind die härtesten Bestandteile des menschlichen Körpers. Sie können viele Jahrtausende erhalten bleiben. Anthropologen untersuchen sowohl Skelette als auch verbrannte Knochen von toten Menschen. An bestimmten Merkmalen erkennen sie das Geschlecht und die Größe einer Person. Veränderte Knochen geben Hinweise auf Alter, Krankheiten und Verletzungen sowie Lebens- und Ernährungsweisen. Wenn sie alle Toten eines Friedhofs untersuchen können, lernen die Anthropologen viel über die jeweilige Bevölkerung: Wer war miteinander verwandt? Gab es mehr Männer als Frauen? Wie alt wurden die Menschen? Starben viele Säuglinge und Kinder? Die prähistorische Anthropologie schafft ein Bild von den Lebensumständen, Krankheiten und Verwandtschaftsverhältnissen in längst vergangenen Zeiten.
Zunächst legt die Anthropologin einen Untersuchungsbogen an.
Am Schädel ...
... und am Becken bestimmt sie das Geschlecht der Person.
Auch anhand der Schädelnähte kann sie das Alter eines Menschen bestimmen.
Die Vermessung des Oberschenkelknochens zeigt, wie groß eine Person ungefähr war.
An den Knochen kann die Forscherin Krankheiten erkennen und bestimmen.
Fall Warburg
DAS GESICHT AUS DER VERGANGENHEIT
Über die Menschen vor etwa 5400 Jahren haben Wissenschaftler viel herausgefunden. Ein Geheimnis aber blieb offen: Wie sahen sie aus? An dem Schädel eines 30- bis 40-jährigen Mannes aus Grab III von Warburg kam modernste Technik zum Einsatz: Ein Kriminologe der Pariser Polizei ermittelte mit Hilfe eines Computers das ursprüngliche Aussehen des Toten. Anhand des Phantombildes modellierte eine Künstlerin ein lebensnahes Abbild des Mannes.
Die Künstlerin hat auf einen Abguss des Schädels Silikon aufgetragen und dieses ähnlich wie die natürlichen Muskelstränge modelliert. An der Knochenstruktur und anhand von Vergleichswerten konnte sie die Stärke der Muskeln sowie der Gewebe- und Fettschichten ermitteln.
Das Gesicht ist fertig rekonstruiert, aber noch fehlen sämtliche Haare.
Für die Kopfhaare, Augenbrauen, Wimpern und den Bart hat die Künstlerin echte menschliche Haare einzeln eingepflanzt. Nachdem das blasse Silikon bemalt ist, wirkt die Rekonstruktion des Mannes aus Grab III von Warburg lebensecht.
Tatort Forscherlabor, Themenstation 4: DNA-ANALYSE
DNA-ANALYSE – DER GANZE MENSCH IN EINER ZELLE
Das Erbgut des Menschen ist in jeder seiner Körperzellen in der Desoxyribonukleinsäure – abgekürzt DNS, geläufiger englisch DNA – gespeichert: das Geschlecht, die Haarfarbe oder chronische Krankheiten. Je enger zwei Menschen miteinander verwandt sind, umso ähnlicher ist ihr Erbgut. Aber nur das von eineiigen Zwillingen ist identisch. Die DNA bleibt über tausende von Jahren erhalten, am besten in Knochen und Zähnen. Die Biochemikerin vergleicht altes Erbgut mit dem von heute lebenden Menschen. Sie erkennt, ob genetische Beziehungen wahrscheinlich sind oder nicht. Mit dieser Methode kann sie auch die Entwicklungsgeschichte des Menschen rekonstruieren. Die Analyse der DNA von Krankheitserregern zeigt, unter welchen Krankheiten unsere Vorfahren litten.
Der Wissenschaftler bereitet die Geräte für die Untersuchung vor.
Zur Probenentnahme musste der Knochen beschädigt werden.
Das Probenmaterial wird gewogen, zerkleinert und chemisch behandelt.
In der Zentrifuge trennt sich die DNA von den anderen Zellbestandteilen.
Die aus der Probe gewonnenen DNA-Abschnitte wurden vervielfältigt. Durch die Elektrophorese ordnen sich die DNA-Fragmente der Länge nach an.
So entsteht der Strichcode, der für jeden Menschen einmalig ist.
DIE ERBGUT-SCHRAUBE
Das Modell der Doppelhelix zeigt, wie unsere DNA aufgebaut ist: Sie besteht aus zwei gleich langen Polynukleotidsträngen (grau), die über die Basen Cytosin (blau), Guanin (grün), Adenin (gelb) und Thymin (rot) strickleiterartig zu einem Doppelstrang verbunden sind. Das Gerüst ist spiralförmig gedreht, daher der Name Doppelhelix. Die Basen sind immer zu gleichen Paaren angeordnet. Guanin und Cytosin sind mit drei, Adenin und Thymin mit zwei Wasserstoffbrücken-Bindungen verknüpft.
Fall Warburg
EIN KNOCHEN ZU VIEL
In den Gräbern von Warburg lagen über 200 Tote. Einige äußere Merkmale lassen vermuten, dass manche von ihnen miteinander verwandt waren. Zwei dieser Schädel haben einen zusätzlichen Knochen am Hinterhaupt, ein so genanntes Inkabein. Inkabeine sind selten und werden vererbt. Gehörten die Toten zu derselben Familie? Eine DNA-Analyse könnte diese Frage beantworten.
Drei Schädel aus den Gräbern von Warburg ohne (rechts) und mit so genanntem Inkabein (Mitte und links).
Tatort Forscherlabor, Themenstation 3: TYPOLOGIE
Wie die Methode der Typologie funktioniert, kann man sehr schnell erkennen, wenn man diese - zugegebenermaßen nicht sehr archäologischen - Objekte in eine Reihe bringt:
TYP – TYPISCH – TYPOLOGIE
Menschen stellen für verschiedene Zwecke Dinge her und gestalten sie nach ihren handwerklichen Möglichkeiten, dem gewünschten Nutzen und ihrem Geschmack. Durch technische Weiterentwicklung oder neue ästhetische Ansichten verändern sie die Formen der Dinge, obwohl deren Funktion dieselbe bleibt. Diese Veränderungen machen sich die Wissenschaftler zu Nutze: Sie bringen Gegenstände gleicher Funktion anhand ihres technischen Standes und ihrer Gestaltung in eine so genannte typologische Reihe. Typologische Reihen müssen mit Hilfe anderer Methoden immer wieder überprüft und zeitlich verankert werden.
In der Werkstatt reinigt der Restaurator einen Metallfund. Es handelt sich um eine Fibel aus Bronze.
Ein Grafiker zeichnet die Fibel und achtet dabei auf alle Details.
Die Forscherin sucht in Büchern nach vergleichbaren Fibeln.
Sie findet einige Vergleichsstücke von einem datierten Fundplatz.
An Originalfunden aus den Sammlungen führt sie weitere typologische Vergleiche durch.
Ihre Ergebnisse zum Typ und zur Datierung der Fibel gibt die Forscherin in einen Computer ein.
GARANTIE VERLÄNGERT
Eine typologische Entwicklung durch technische Verbesserungen zeigen vorgeschichtliche Stein- und Bronzebeile: Die frühen Klingen waren glatt. Sie wurden mit Schnüren in einem gespaltenen Knieholz festgebunden und mussten oft repariert werden. Die Bronzebeile bekamen mit der Zeit erst Randleisten und dann Absätze oder seitlich angesetzte Flügel, die so genannten Lappen. Mit diesen Zusätzen konnte man die Klinge immer besser am Schaft befestigen. Am Ende der Entwicklung standen Tüllenbeile, die auf den Schaft gesteckt und verschnürt wurden. Sie waren stabiler als alle ihre Vorgänger.
Steinbeil (Salzbergen, 4200 bis 2800 v. Chr.)
Randleistenbeil (Sassenberg, 1800 bis 1500 v. Chr.)
Absatzbeil (Bad Wünnenberg-Haaren, 1500 bis 1300 v. Chr.)
Lappenbeil aus Bronze (unbekannter Fundort, 1300 bis 750 v. Chr.)
Tüllenbeil aus Bronze (unbekannter Fundort, 1300 bis 750 v. Chr.)
Fall Warburg
AN IHREN PFEILEN KÖNNT IHR SIE ERKENNEN
In den Gräbern von Warburg wurden dreieckige, ovale und lanzettförmige Pfeilspitzen aus Feuerstein gefunden. Durch typologische Vergleiche konnten Archäologen zeigen, dass die Pfeilspitzen zur Wartbergkultur gehören, die zwischen 3500 und 2800 v. Chr. in Hessen und Südostwestfalen verbreitet war. Die Pfeilspitzen sind ein Indiz dafür, dass die Menschen in den Gräbern Angehörige dieser Kultur waren.
Verschiedene Typen von Feuerstein-Pfeilspitzen aus der Zeit der ersten Bauern seit 5500 v. Chr.Verschiedene Typen von Feuerstein-Pfeilspitzen aus den Gräbern von Warburg
Tatort Forscherlabor, Themenstation 2: STRATIGRAPHIE
GESCHICHTE SCHICHTENWEISE
Die Stratigraphie verdeutlicht das relative Alter der einzelnen Schichten und der Funde daraus zueinander. Sie allein gibt aber keine Auskunft über deren absolutes, also jahrgenaues Alter. Hier helfen Methoden wie die Typologie [> Themenstation 3] und naturwissenschaftliche Verfahren wie die 14C-Datierung [> Themenstation 8] oder die Dendrochronologie [> Themenstation 7].
Unter dem Parkplatz „An der Welle” in der Bielefelder Innenstadt wurden verschiedene Schichten freigelegt. Die Stratigraphie zeigt die Geschichte des Geländes zwischen Alt- und Neustadt vom 13. Jahrhundert bis 1944.
Zu Beginn der Ausgrabung wurden die Fundamente von Häusern des 20. bis 17. Jahrhunderts sichtbar.
Profil der Schichten des 17. und 16. Jahrhunderts
Profil der Schichten des 20. bis 15. Jahrhunderts
Im oberen Bereich der Schlammschichten sind Abdrücke von Tierfüßen erhalten.
In den Schlammschichten erhielten sich auch Hölzer.
Profil der Schichten des 15. bis 13. Jahrhunderts
Die Stratigraphie kommt als Block ins Museum.
Fall Warburg
WENIG PLATZ FÜR VIELE
Im Grab IV von Warburg lagen die Knochen von mehr als 80 Toten. Indem Archäologen sie sorgfältig abtrugen, konnten sie mehrere Bestattungsphasen unterscheiden. Die Knochen des jüngsten Skelettes lagen größtenteils zusammen, die der älteren Skelette unordentlich durcheinander: Ältere Skelette waren immer wieder zur Seite geräumt worden, um Platz für neue Tote zu schaffen.
Bei dem Skelett in der Bildmitte liegt nur noch die Wirbelsäule in ihrer ursprünglichen Lage.
Grab IV während der Ausgrabung
Obwohl die Knochen in Grab IV durcheinander lagen, konnten Archäologen mehrere Bestattungsphasen ermitteln.
Tatort Forscherlabor, Themenstation 1: PROSPEKTION
SPURENSUCHE AM BODEN UND AUS DER LUFT
Neue Fundstellen kann man mit verschiedenen Methoden entdecken: Einige Forscher suchen in alten Schriften und Karten nach Hinweisen auf ehemalige Siedlungen, Straßen oder Landwehren. Andere gehen regelmäßig über freie Flächen wie Felder und markieren auf Karten die Bereiche, in denen sie archäologische Objekte finden.
Archäologen nutzen auch das Flugzeug, um nach Spuren der Vergangenheit zu suchen. Der Blick aus der Vogelperspektive macht vor allem große Strukturen deutlich. Der Archäologe fotografiert sie und trägt sie in seine Karte ein. Häufig werden bei der Suche nach neuen Fundstellen verschiedene Methoden kombiniert. Geomagnetische, geoelektrische oder Radar-Messungen zeigen Einzelheiten, durch die der Archäologe einen Fundplatz beurteilen kann, ohne ihn ausgraben zu müssen.
Nur wenn die unterirdischen Fundstellen bekannt sind, können sie unter Denkmalschutz gestellt oder bei unvermeidlichen Bauvorhaben ausgegraben werden. Alle diese Informationen sammeln in Westfalen die LWL-Archäologie für Westfalen mit Sitz in Münster.
Beim gezielten Überfliegen von verdächtigen Regionen...
...entdecken Archäologen häufig neue Fundplätze.
Geophysikalische Messungen...
... liefern genauere Erkenntnisse über die Strukturen im Boden.
Die Kombination verschiedener Prospektionsmethoden ...
... gestattet den Archäologen einen guten Einblick in das Erdreich.
Fall Warburg
EIN STEIN-REICHER ACKER
Aufmerksame Landwirte haben die Großsteingräber von Warburg entdeckt: Dem Grundstücksbesitzer und seinem Sohn fielen beim Pflügen immer wieder ortsfremde Steine und Knochenbruchstücke auf. Sie meldeten ihre Beobachtungen der LWL-Archäologie für Westfalen. Da das Pflügen die Überreste der Gräber immer weiter zerstörte, entschloss sich der zuständige Archäologe sie auszugraben.
LAGE DER KOLLEKTIVGRÄBER WARBURG I-V AM FUNDPLATZ
Die Gräber lagen auf einem leicht nach Nordost geneigten Hang, etwa 1,6 Kilometer nordwestlich der Stadtmitte Warburgs. Das Luftbild zeigt Grab III während der Ausgrabung.
Tatort Forscherlabor
Im Forscherlabor des LWL-Museums für Archäologie können die Besucherinnen und Besucher die Methoden nachvollziehen, mit denen Wissenschaftler die Spuren der Vergangenheit entschlüsseln.
Auf die Spurensuche an der Fundstelle folgt die Arbeit hinter den Kulissen: Wie bei Kriminalfällen führt erst die Analyse vieler kleiner Spuren zur Rekonstruktion des Geschehens. Dabei arbeiten die Archäologen mit Wissenschaftlern verschiedener Ressorts zusammen.
Das Besondere: Alle Methoden werden an einem konkreten Beispiel erläutert. Im Zentrum des Forscherlabors stehen die über 5000 Jahre alten Großsteingräber von Warburg mit den Resten der Toten und ihren Beigaben für das Jenseits. Es gilt, mit archäologischen und historischen, medizinischen, physikalischen und chemischen Methoden möglichst viel über die Menschen und ihr Umfeld herauszufinden.
Die erste Methode folgt im nächsten Post dieses Blogs: Die Prospektion.

















































































